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Der Wecker  (von Silvia Grad)                                                                            

Eva ist ein kluges Tier –
-         das „Mädchen“ lebt im Affenhaus-
wenn etwas tickt, gefällt es ihr –
sie hat so manchen Trick heraus.

Weil Eva heut’ sehr einsam ist,
entwickelt sie’ne Affenlist.
Wo Freiheit winkt, erkennt sie helle,
öffnet ein Türchen auf die Schnelle.

Ab durch die Mitte – rauf aufs Dach,
Sprung zum Balkon vom Nachbarhaus
zu Pflegers Erics Schlafgemach
-         sucht sich dort dessen Wecker aus.

Schnell dann ins „eigne Reich“ zurück,
unbemerkt gar – welch’ ein Glück!
Und findet äußerst interessant
das laute Tick –Tack in der Hand.

Sie schraubt und dreht und demontiert
und hat der Rädchen letztlich viele.
Ob essbar was, wird auch probiert,
doch schweigt das Ding, als sie am Ziele.

Und Wärter Eric schläft zu lange,
erkennt gleich: Äffchen Ev’ ist bange,
als spät er kommt ans Affenhaus –
sieht ganz nach „schlecht’ Gewissen“ aus!

Eva kommt schnell ans Gitter her,
reicht Eric ihre Beute hin –
zwar ist dies’ längst kein Wecker mehr
-         doch alles da – was vorher drin.

Entwaffnend blickt das Äffchen nun
-         was bleibt dem Eric da zu tun?
Sein Heim bleibt künftig Wecker –frei,
scheint, dass auch ihm dies’ lieber sei.

Einsamer Strauß Bruce! (von Silvia Grad)

Was bisweilen im Zirkus passieren kann,
zeigen oft die verendeten Tiere an.
So fand man in einem Straußen – Magen
unbegreifliche Dinge – ohne Fragen!
Und mancher stellte verwundert fest,
was wohl dem Tier besorgte den Rest.

Der Strauß lebte damals im Zirkus Busch,
gewöhnte sich bald an den lauten Tusch,
doch Freunde besaß der arme Bruce keine,
er stelzte durchs Gehege immer alleine,
konnte dort wundersame Dinge finden
und ließ sie im Schnabel heimlich verschwinden.

Alles, was er fand, wurde sofort gefressen,
denn Einsamkeit ließ ihn die Vorsicht vergessen.
Ein Fenstergriff und ein Vierkanteisen
würgte er hastig herunter, ohne zu beißen.
Gewichtige Dinge kamen noch hinzu:
eine Waschbürste und ein Kinderschuh.

Sein Magen wurde immer größer und breiter,
doch Bruce kein bisschen gescheiter.
Und schließlich, so irgendwann,
fing der große Vogel zu kränkeln an.
Die ratlosen Pfleger fuhren ohne zu warten
den armen Strauß in den Zoologischen Garten.

Dort bekam Bruce zwar viele Gefährten,
die ihm traute Gemeinschaft gewährten.
Doch zu spät war’s schon für das neue Leben,
das Unverdauliche hatte ihm den Rest gegeben.
Und so kam der bedauernswerte Straußenmann
kurze Zeit später im Himmel der Tiere an.

 



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