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Haarige Nachbarn  - Nur eine Geschichte?

Haget 5/00

 

Meinen ersten Hunde-Nachbarn kann ich kaum vergessen, weil in der Verwandtschaft immer wieder diese kleine Begebenheit aus meiner jüngsten Kindheit aufgetischt wird. Es war Roland, ein Schäferhund in noch nicht der heute modernen spitz nach hinten zulaufenden Keilform, aber offensichtlich kinderlieb wie diese in der Regel. Ich konnte schon zu ihm laufen, ihn lieb haben und mit ihm sprechen. Nur von ihm sprechen – dieses fiel mir bei „Roland“ recht schwer: Es wurde stets „Brroland“ daraus.  Ich war unglücklich darüber, wurde aber getröstet: „Bis du zur Schule kommst ....“
Eines Tages war ich verschwunden. Man fand mich vor der hinter dem Friedhof liegenden Schule mit diversen Bilderbüchern unter dem Arm: „Will zur Schule, Brroland lernen!“

Tante Lotte hatten einen eigenen Hund, wohl etwas größer als Roland, dabei aber schlanker und rassig-elegant. Dieser Arno war ein „echter“ Hund; eine Bezeichnung, die mich mehr verwirrte als aufklärte. Da er von einem pensionierten Polizisten in der Nachbarschaft ausgebildet wurde, fiel er irgendwo angenehm auf und wurde eingezogen. Es war Krieg und er kam „echt“ zu den Soldaten.            Roland habe ich geliebt; Arno bewundert und respektiert. Arno war nie unfreundlich, aber leicht „englisch-reserviert“; ihn zu streicheln war für mich eine Art Heldentum. 

Viele Jahre später wohnte Tante Lotte in Nr. 6 einer Straße mit Doppelhäusern. Seitlich eng zu den Nachbarn, nach hinten langer Schlauch-Garten. Und hatte wieder einen Hund; einen fast eigenen. Es war die Nelly vom Nachbarn Nr. 8; Größe und Aussehen ähnlich einem Terrier, ansonsten mit den Merkmalen vieler „echter“ Hunde. So ganz das Gegenteil vom früheren Gentleman Arno.

Tante Lotte und Nelly liebten sich. Kam Tante Lotte in den Garten, wurde sie freundlich begrüßt und oft sprang Nelly dabei über den niedrigen Zaun. Tante Lotte war viel im Garten! Wenn nicht, wurde sie laut, deutlich und erfolgreich von Nelly dazu aufgefordert.  Vor Jahren hatte Nelly auch mal Junge gehabt, von denen Tante Lotte noch jahrelang schwärmte.
Nelly war in gleicher Weise freundlich zu Tante Lottes Besuchern und fremden Passanten. Und sie reagierte begeistert, wenn Vorübergehende den kleinen Stock unter dem Gartentor sahen und ihn so nach hinten in den Garten warfen, daß sie ihn nach wildem Spurt zurückbringen konnte, in der Hoffnung auf erneuten Wurf oder den nächsten freundlichen Werfer. – Für Tante Lotte war Nelly übrigens immer „er“; ob in Erinnerung an Arno oder in Ableitung von „der Hund“, weiß ich nicht. Einen besseren Nachbarn konnte man sich für Tante Lotte nicht wünschen!

Weniger Glück hatte Herr Burg, der auch in dieser Straße wohnte. Er hatte einen ekelhaften Kläffer als engen Nachbarn, der kaum vom Maschendrahtzaun wich, wenn Herr Burg im Garten war und dabei wohl auch nur selten schwieg. Seit Herr Burg versucht hatte, ihn mit erhobener Schaufel endlich einmal von dort zu vertreiben, sah er zur Begrüßung auch noch des eigentlich nur kleinen Hundes kräftiges Gebiß und hörte regelmäßig grollend-drohendes Knurren.

Herr Burg hatte sogar vergeblich versucht, dieser Töle das ewige Kläffen mit Hilfe des Gerichts zu verbieten; dieses hatte ihm auch nach Besichtigung des Hundes nicht geglaubt, daß er Angst um sein Leben haben müsse. Seitdem wurde jeder zufällig Vorübergehende abgefangen und mit „Das Wetter soll wärmer werden!“ in ein Gespräch gezogen, welches dann stets schnell in eine Aufklärung über den schlimmen Nachbar-Köter wechselte.

Kaum zu glauben: Aber Herr Burg wohnte in Haus Nr. 10; die schlimme und laute Bestie war Tante Lottes Liebling Nelly! Zum Glück war Herr Burg ja nicht Tante Lottes direkter Nachbar, denn er war natürlich ganz automatisch der und das Böse in Person!

Ich besuchte Tante Lotte mit meiner Frau und wurde eines Tages auch als unbekannter Passant von Herrn Burg in ein Hundegespräch verwickelt. Und ich machte Herrn Burg die Freude, seinen Garten mit der schlimm-drohenden Nachbarschaft zu besichtigen. Nur funktionierte die Vorführung irgendwie nicht. Nelly bellte zwar kurz freundlich zur Begrüßung – zu meiner Begrüßung! – stand dann aber nur schweigend und erwartungsvoll schwanzwedelnd hinter dem Drahtgeflecht. Sie wußte ja durch unsere Bekanntschaft von der anderen Seite ihres Grundstücks in meiner Hosentasche gute Sachen, nämlich ihre Lieblings-Hundekekse! Und unauffällig erhielt Sie dann auch nebenbei welche davon.

Herr Burg mußte eine Zwillingsschwester der früheren „Bestie“ hinter dem Maschendraht vermuten. Diesen Hund hatte er noch nie gesehen, zumindest nicht so! Und Nelly? Sie hatte das Anknurren und -bellen sicherlich nur als eine Art Spiel angesehen und war auch diesem Nachbarn nie böse gewesen; er spielte eben sonst nur anders mit ihr. Und vom gewesenen Gerichtsstreit wußte sie wohl auch nichts. –  Als ich ging, hatte Herr Burg Nelly schon mal gestreichelt und ich hatte ihm auch meine restlichen Hundekekse zur weiteren „Bestechung“ überlassen.   Von Tante Lotte erfuhr ich später, daß Nelly nun auf beiden Seiten des Grundstücks gern gehört und gesehen wurde

Herr Burg hatte also endlich seinen haarigen Nachbarn wirklich kennengelernt und so einen neuen Freund gefunden. Aber auch seinen gewohnten alten „Erbfeind“ verloren! Seine Gespräche mit Passanten landeten nun immer beim Briefträger, der ihm die Post stets zu früh, zu spät oder falsch herum in den Briefkasten steckte und einfach zu „knurrig“ sei.



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